Die Insolvenzmeldung der Thüfleiwa in Apolda trifft wie ein Hammerschlag. Der Traditionsbetrieb, bekannt für seine Fleisch- und Wurstwaren, hat Ende 2024 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Seit über 100 Jahren prägt das Unternehmen die Region, doch jetzt geht es doppelt um die Wurst – den Fortbestand der Firma und die Zukunft der 130 Mitarbeiter.
picture alliance / Zoonar | Jiri HERA
“Corona war nur der Anfang”
Die wirtschaftliche Schieflage der Thüfleiwa hat viele Gesichter. Bereits die Corona-Pandemie setzte dem Unternehmen hart zu. Doch die Probleme häuften sich: Ein unerwarteter Maschinenschaden, der kurzfristig behoben werden musste, und die explodierenden Rohstoffpreise brachten die Produktion an ihre Grenzen. Auch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher aufgrund der Inflation und eine schwache Grillsaison trugen zur Misere bei.
Ein Mitarbeiter betont: „Wir haben alles versucht, aber die aktuellen Rahmenbedingungen machen es fast unmöglich.“
Hoffnung durch Eigenverwaltung?
Trotz der dramatischen Lage gibt es einen Funken Hoffnung. Die Insolvenz in Eigenverwaltung gibt der Thüfleiwa die Chance, sich mit einem klaren Restrukturierungsplan neu aufzustellen. Ein unabhängiger Sachverwalter überwacht das Verfahren, während die Geschäftsleitung im Amt bleibt.
Die Löhne der 130 Beschäftigten sind bis Februar 2025 gesichert, ein kleiner Lichtblick in einer ungewissen Zukunft. „Wir hoffen auf einen starken Investor, der uns über die nächsten sechs bis neun Monate hinweg helfen kann“, erklärt ein Vertreter des Unternehmens. Das Unternehmen betreibt neben dem Hauptstandort in Apolda 14 Filialen in Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie einen erfolgreichen Onlineshop. Diese Struktur zeigt, dass Thüfleiwa nicht nur lokal, sondern auch regional ein wichtiger Akteur ist.
Historischer Verlust für die Region
Die Thüfleiwa GmbH entstand 2019 durch formwechselnde Umwandlung aus der “Thüfleiwa” Thüringer Fleischwaren, Produktions- und Vertriebs AG. Der Unternehmensgegenstand umfasst die Produktion und den Vertrieb von Fleisch, Wurstwaren, Aspikwaren, Salaten und Konserven sowie den Einzelhandel mit diesen Produkten, einschließlich Imbiss, Partyservice, Eventversorgung und Catering. Sollte das Unternehmen scheitern, verliert die Region nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch ein wichtiges Stück ihrer Identität. „Das wäre der Anfang vom Ende für den Mittelstand hier in Apolda,“ warnt ein lokaler Unternehmer.
Ein Beispiel für den bundesweiten Trend
Die wirtschaftliche Lage von Thüfleiwa spiegelt einen bundesweiten Trend wider: Laut der Auskunftei Creditreform stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2024 auf 22.400 Fälle – den höchsten Wert seit 2015. Dies zeigt, wie sehr Mittelständler unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen leiden.
Appell an Politik und Wirtschaft
Die Thüfleiwa steht exemplarisch für viele mittelständische Unternehmen in Deutschland, die unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen leiden. Es braucht klare Signale aus der Politik: Unterstützung für den Mittelstand, stabilere Rahmenbedingungen und gezielte Förderungen.
Ohne rasche Maßnahmen droht nicht nur der Traditionsbetrieb, sondern auch ein weiteres Stück wirtschaftlicher Vielfalt verloren zu gehen. Die kommenden Wochen werden entscheiden, ob Thüfleiwa ein weiteres Kapitel in ihrer über 100-jährigen Geschichte schreiben kann – oder ob diese für immer geschlossen wird.
Leave a comment