Die Deutsche Börse feiert neue Rekorde: Dank der milliardenschweren Übernahme des dänischen Softwarekonzerns Simcorp hat das Unternehmen einen historisch hohen Gewinn erzielt. Doch während Aktionäre mit einer erhöhten Dividende und einem Aktienrückkauf belohnt werden, bleibt der Konzern im internationalen Vergleich weit hinter den großen Playern der Branche zurück.
Deutsche Börse, Börsenplatz, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
Milliarden-Übernahme treibt Gewinn in die Höhe
Die Zahlen sprechen für sich: Der operative Gewinn vor Steuern (EBITDA) stieg 2024 um 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro, während die Nettoerlöse ebenfalls um 15 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro zulegten. Besonders stark entwickelte sich der neue Bereich Investment Management Solutions (IMS), der das Daten- und Analysegeschäft bündelt – hier explodierte der operative Gewinn um 66 Prozent. Ein wesentlicher Faktor: die Integration von Simcorp, die nach der Übernahme Ende 2023 nun vollständig in den Konzernzahlen enthalten ist.
“Wir sind auf dem besten Weg, unsere strategischen und finanziellen Ziele für 2026 zu erreichen”, erklärte der neue Börsenchef Stephan Leithner am Dienstagabend. Für 2025 erwartet der Konzern ein bereinigtes Nettoergebnis von 5,2 Milliarden Euro sowie einen operativen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro – allerdings ohne Berücksichtigung von Zinserträgen und Einkünften aus hinterlegten Sicherheiten, die bisher in den Berechnungen enthalten waren.
Aktionäre profitieren: Höhere Dividende und Aktienrückkauf
Neben den starken Geschäftszahlen sorgt die Deutsche Börse mit großzügigen Ausschüttungen für Freude bei den Investoren. Die Dividende steigt um 20 Cent auf 4,00 Euro pro Aktie, und zusätzlich startet ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 500 Millionen Euro. Insgesamt erreicht die Ausschüttung an die Aktionäre mit 1,2 Milliarden Euro ein Rekordniveau.
Die Börsen-Aktie kletterte bereits im Vorfeld auf ein Allzeithoch von 241,70 Euro und hat seit August 2023 um 28 Prozent zugelegt. Mit einer Marktkapitalisierung von 46 Milliarden Euro übertrifft die Deutsche Börse mittlerweile sowohl die Deutsche Bank (37 Milliarden Euro) als auch die Commerzbank (22 Milliarden Euro).
Auf Expansionskurs – doch der Abstand zur internationalen Konkurrenz bleibt groß
Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2024 hat Stephan Leithner die Strategie seines Vorgängers Theodor Weimer nahtlos fortgeführt. Der Fokus liegt weiterhin darauf, die Abhängigkeit von Marktschwankungen zu reduzieren und das Geschäft mit Daten, Analysen und Software auszubauen. Wichtige Schritte waren dabei die Übernahmen der US-Softwarefirma Axioma (2019), des US-Stimmrechtsberaters ISS (2021) und zuletzt von Simcorp.
Doch trotz des jüngsten Erfolgs bleibt die Deutsche Börse weit hinter den internationalen Börsenriesen zurück. Während sie auf eine Marktkapitalisierung von 46 Milliarden Euro kommt, ist die amerikanische Intercontinental Exchange (ICE) mit 95 Milliarden Dollar mehr als doppelt so groß. Auch die Chicago Mercantile Exchange (87 Milliarden Dollar) und die London Stock Exchange (77 Milliarden Dollar) liegen deutlich vorne.
Simcorp-Übernahme anfangs umstritten – nun als Erfolg anerkannt
Zunächst war die Übernahme von Simcorp unter Investoren umstritten: Der hohe Kaufpreis von 3,9 Milliarden Euro und die begrenzten Synergien sorgten für Skepsis. Zudem galt die Profitabilität von Simcorp als unterdurchschnittlich. Doch mittlerweile hat sich die Stimmung gedreht. Der Ausbau des Software-Geschäfts wird als richtiger Schritt gesehen, um langfristig unabhängiger vom Handelsgeschäft zu werden.
Stephan Leithner hat damit ein solides Fundament für die Zukunft gelegt – doch ob die Deutsche Börse den Rückstand auf die globale Konkurrenz aufholen kann, bleibt offen.
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